Scope 2 Emissionen - Definition & Erklärung
Scope 2 Emissionen bezeichnen indirekte Treibhausgasemissionen, die bei der Erzeugung von eingekaufter Energie entstehen. Dazu gehören primär Elektrizität, Fernwärme, Dampf oder Kälte, die ein Unternehmen von externen Energieversorgern bezieht, aber innerhalb der eigenen Liegenschaften verbraucht.
Inhaltsverzeichnis
Warum Scope 2 für den Mittelstand und die Finanzierung zählt
Während Scope 1 die direkten Emissionen (z. B. den eigenen Heizkessel) betrachtet, fokussiert sich Scope 2 auf die Herkunft der Energie. Für deutsche KMU ist diese Kennzahl aus strategischer Sicht oft der wichtigste Hebel zur Dekarbonisierung.
- Bankgespräche & Kreditkonditionen: Banken nutzen die Energieeffizienz und den Anteil erneuerbarer Energien als Indikator für das Zukunftsrisiko eines Unternehmens. Eine niedrige Scope 2 Bilanz verbessert das ESG-Rating und kann die Zinskonditionen positiv beeinflussen.
- Transparenz in der Lieferkette: Große Konzerne fordern von ihren Zulieferern zunehmend die Offenlegung der Scope 2 Werte, um ihre eigenen Klimaziele zu erreichen. Wer hier keine validen Daten liefert, riskiert, bei Ausschreibungen aussortiert zu werden.
- Vorbereitung auf CSRD und VSME: Auch wenn KMU (noch) nicht direkt berichtspflichtig sind, hat sich der VSME-Standard als Benchmark etabliert. Scope 2 ist darin eine Kernanforderung.
Die zwei Berechnungsmethoden: Location-based vs. Market-based
Um Scope 2 Emissionen nach dem GHG Protocol korrekt zu bilanzieren, müssen Unternehmen zwei verschiedene Perspektiven einnehmen:
- Location-based Methode: Hierbei wird der durchschnittliche Emissionsfaktor des nationalen Stromnetzes (Strommix) herangezogen. Er spiegelt die tatsächliche physikalische Realität der Stromerzeugung in der Region wider.
- Market-based Methode: Diese Methode berücksichtigt die spezifischen vertraglichen Entscheidungen des Unternehmens. Beziehen Sie beispielsweise zertifizierten Ökostrom, fällt der Emissionsfaktor bei der Market-based Methode oft auf Null.
Scope 2 Emissionen ermitteln
Die Datenbasis für Scope 2 ist in der Regel einfach zugänglich: Sie benötigen lediglich die Jahresabrechnungen Ihrer Energieversorger. Die verbrauchten Kilowattstunden (kWh) werden mit den spezifischen Emissionsfaktoren der Versorger oder des Landesmix multipliziert, um die CO2-Äquivalente (CO2e) zu ermitteln.
Die Unterscheidung zwischen Location-based und Market-based Ansätzen sowie die Suche nach den jährlich schwankenden Emissionsfaktoren des deutschen Strommix stellt viele Geschäftsführer vor eine zeitliche Hürde.
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